
„Mein Kind lässt sich nicht einmal die Haare mit Wasser übergießen – wie soll es da je den Kopf untertauchen?“ Das hören wir als Schwimmschule in Graz fast täglich. Die gute Nachricht: Fast jedes Kind schafft es, wenn man den Weg in kleine Schritte teilt und das Kind das Tempo bestimmt. Hier zeigen wir Schritt für Schritt, wie das gelingt, welche Situationen typisch sind – und was Sie dann konkret tun können.
- Nie zwingen: Wassergewöhnung funktioniert spielerisch und in kleinen Schritten. Vor Angst-Auslösern wird nicht gedrängt, sondern schrittweise herangeführt (DSV-Jugend).
- Reihenfolge: Wasser über den Körper und das Gesicht gießen → pusten → Blubberblasen → Mund, Nase, Gesicht eintauchen → ganzer Kopf → Augen öffnen → Gegenstände holen.
- Zu Hause starten: Die DLRG empfiehlt, die Wassergewöhnung in der Badewanne zu beginnen – mit Becher, Gießkanne oder Waschlappen, die das Kind selbst führt.
- Ausatmen ist der Schlüssel: Wer unter Wasser ausatmet, schluckt kaum Wasser und bekommt keine Panik – das üben wir zuerst über Wasser.
Warum fällt das Untertauchen so vielen Kindern schwer?
Für Erwachsene ist Wasser im Gesicht Routine. Für ein Kind ist es ein ganzer Berg an Eindrücken auf einmal: Es spürt Druck auf dem Körper, hört die Welt plötzlich gedämpft, sieht verschwommen, und die Luft ist weg. Dazu kommt Wasser in der Nase, das brennt, und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Dass sich Kinder davor erschrecken, ist deshalb ganz normal – kein Zeichen von „Verwöhntheit“ oder mangelndem Mut.
Wichtig ist auch: Ein einziges unangenehmes Erlebnis (zum Beispiel ein ungewolltes Untertauchen) kann Wochen an Fortschritt wieder zunichtemachen. Deshalb gilt in unserem Unterricht eine einfache Regel: Das Kind entscheidet, wie schnell es weitergeht.
Die Grundregeln vom Schwimmlehrer
- Geduld vor Tempo. Der DSV (Deutscher Schwimm-Verband) betont, dass Kinder Zeit zum Ausprobieren brauchen und nie zu etwas gedrängt werden sollen, vor dem sie Angst haben.
- Das Kind führt. Es gießt sich das Wasser selbst über den Kopf, es sagt „jetzt“. Selbst gewählte Reize fühlen sich viel sicherer an als Überraschungen.
- Vorher ankündigen. „Ich zähle bis drei, dann gießen wir.“ Verlässliche Rituale geben Sicherheit.
- Kleine Erfolge feiern. Auch ein Kinn im Wasser ist ein Schritt. Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen.
- Pausen sind erlaubt. Wenn ein Kind abblockt, wechseln wir zu einem Spiel, das es mag, und probieren es später oder in der nächsten Stunde noch einmal.
- Ruhig bleiben. Kinder spüren unsere Anspannung. Ein entspannter, lächelnder Erwachsener ist die beste „Sicherheitsleine“.
Schritt für Schritt: Die Treppe zum Untertauchen
Die folgende Reihenfolge orientiert sich an den Übungsfolgen der DSV-Jugend und an unserer Unterrichtspraxis. Ihr Kind muss nicht jede Stufe an einem Tag schaffen – manche Kinder brauchen für eine Stufe eine Woche, andere eine Minute. Bleiben Sie auf einer Stufe, bis sie Spaß macht.
Stufe 1: Wasser über Körper und Gesicht laufen lassen
Beginnen Sie in der Badewanne oder im flachen Wasser mit warmem, klarem Wasser (ohne Badezusatz, der in den Augen brennen kann). Zuerst die Beine, dann Bauch und Haare. Kleine Kinder können das mit dem Waschlappen übernehmen, ältere mit Becher, Gießkanne oder Sprühflasche. Das Wasser über das eigene Gesicht zu gießen, kann zur „Mutprobe“ werden, auf die das Kind stolz ist. Auch ein nasser Schwamm, der über dem Kopf ausgedrückt wird, funktioniert als „Regen“.
Stufe 2: Mit der Luft spielen – pusten
Auf die Wasseroberfläche pusten, bis sie sich kräuselt. Einen Tischtennisball über das Wasser pusten, ein „Loch“ ins Wasser blasen. Das Kind lernt dabei nebenbei, durch den Mund auszuatmen – die wichtigste Grundlage fürs Untertauchen.
Stufe 3: Blubberblasen
Mund und Kinn ins Wasser und Blasen machen („Wir sind ein Motorboot!“). Danach die Nase: Wer beim Ausatmen auch ein wenig Luft durch die Nase schickt, verhindert, dass Wasser hineinläuft.
Stufe 4: Gesicht eintauchen
Erst nur ein paar Sekunden mit geschlossenen Augen: Luft holen, Gesicht ins Wasser, ausatmen, wieder auftauchen. Ein kleines Lied oder Zählen („eins, zwei, drei“) hilft, das Zeitgefühl zu entspannen.
Stufe 5: Ganzer Kopf, Augen auf
Jetzt taucht der ganze Kopf ein. Wer mag, öffnet die Augen – mit Schwimmbrille geht das oft viel leichter. Spiele: sich gegenseitig unter Wasser etwas zeigen (Finger-Zahlen) oder etwas ins Ohr „flüstern“.
Stufe 6: Tauchen mit Ziel
Ringe oder Tauchstäbe vom Beckenboden holen, durch einen Reifen oder unter einem Schwimmbrett hindurchtauchen, Rollen vorwärts oder seitwärts. Hier verbindet sich Mut mit Spaß – und das Kind merkt kaum noch, dass es gerade „tauchen“ lernt.
Typische Situationen – und was dann hilft
Das Kind weint schon beim Haarewaschen
Beginnen Sie außerhalb des Schwimmbads: Duschbrause weg, stattdessen Becher oder Waschlappen. Lassen Sie das Kind die Haare selbst „nass machen“ und legen Sie ein Handtuch griffbereit, damit es sich selbst abtrocknen kann. Üben Sie täglich zwei bis drei Minuten statt einmal lange. Sinnvoll sind auch Haarwasch-Spiele: Puppe oder Kuscheltier wird „geduscht“, das Kind darf bestimmen.
Das Kind steht im Wasser und klammert sich an Sie
Das ist kein Rückschritt, sondern Vertrauensaufbau. Geben Sie Halt, ohne zu drängen. Gehen Sie langsam ins flachere Wasser, setzen Sie sich zum Spielen mit dem Kind an den Beckenrand und lassen Sie es von dort aus Wasser spritzen. Erst wenn die Arme lockerer werden, geht es weiter.
Das Kind will nur mit Taucherbrille ins Wasser
Völlig in Ordnung. Eine gut sitzende Brille nimmt den Druck auf Augen und Nase und macht Neugier möglich. Später verkürzen wir die Zeit mit Brille spielerisch („Heute zählen wir bis fünf ohne Brille?“).
Das Kind hält die Luft an, statt auszuatmen
Dann hat es in der Regel mehr Angst vor „Wasser in der Nase“ als vor dem Wasser selbst. Üben Sie das Ausatmen zuerst über Wasser: Pusten, Kerze ausblasen, Seifenblasen. Danach: Mund im Wasser, Blubberblasen. Ausatmen = kein Wasser in der Nase – das erklären wir mit einem Bild („Die Luft schiebt das Wasser weg“).
Das Kind hat sich verschluckt oder hustet
Wichtig: ruhig bleiben, Kind aufrecht halten, kurz Pause, Mut machen („Das passiert Schwimmern auch – du hast super reagiert“). Husten ist ein normaler Schutzreflex. Danach etwas Leichtes wie Pusten, nicht sofort wieder Tauchen. Bei anhaltendem Husten, Atemnot oder Auffälligkeiten nach dem Schwimmen bitte ärztlichen Rat holen.
Gestern hat es geklappt – heute nicht mehr
Das ist ganz normal und gehört zum Lernen. Gehen Sie eine Stufe zurück, machen Sie die Aufgabe leichter und enden Sie mit einem Erfolg, den das Kind sicher kann. So bleibt das Gefühl „Ich schaffe das“ erhalten.
Das Kind hatte ein schlechtes Erlebnis (z. B. ungewolltes Untertauchen)
Sprechen Sie darüber, ohne zu bewerten, und nehmen Sie das Erlebte ernst. Dann gilt: wieder ganz unten beginnen (Stufe 1), mit Ritualen und klaren Ankündigungen. In einer ruhigen Einzelstunde mit einer Bezugsperson lässt sich Vertrauen oft schneller wiederherstellen als in einer lauten Gruppe.
Das Kind ist sensibel für Geräusche, Kälte oder Berührungen
Dann helfen eine warme Wassertemperatur, ein ruhiges Becken, Ohrenschutz oder Ohrstöpsel (wenn der Kinderarzt nichts dagegen hat), ein festes Ritual und viel Zeit. Wir bringen eine Weiterbildung in „Autism Swim“ mit und passen den Unterricht an die Bedürfnisse des Kindes an.
Das Kind wird in der Gruppe unter Druck gesetzt
Vergleich mit anderen („Der kann das schon!“) macht Angst. In Einzel- oder Zweierstunden entfällt der Druck – das Kind lernt in seinem Tempo.
Das sollten Sie nicht tun
- Nicht überraschend untertauchen oder „einmal kurz“ unter Wasser drücken. Das zerstört Vertrauen.
- Nicht hochwerfen oder tunken, um „Mut zu machen“.
- Keine Schwimmflügel oder Schwimmgürtel als Sicherheit verstehen: Sie sind keine Rettungswesten, und der Kopf kann damit unter Wasser geraten (Hinweis der DLRG-Fachleute).
- Kind nie unbeaufsichtigt lassen – auch nicht im flachen Wasser. Ertrinken passiert lautlos. Bleiben Sie immer in Armlänge.
- Nicht vergleichen und nicht beschämen. Sätze wie „Sei nicht so ein Angsthase“ helfen nicht.
So gehen wir in der Schwimmschule Mo vor
Bei uns lernen Kinder ab 3 Jahren privat im Verhältnis 1:1 oder 1:2 im Bad zur Sonne in Graz. Das Kind hat in jeder Stunde dieselbe Bezugsperson, es gibt feste Rituale, und wir starten dort, wo das Kind steht – egal ob es schon taucht oder erst einmal ein nasses Gesicht aushalten muss. Jede Stunde endet mit einem Erfolgserlebnis.
Mehr zu unserem Unterricht für Kinder finden Sie auf der Seite Schwimmkurse für Kinder in Graz. Freie Termine sehen Sie direkt im Buchungskalender.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter sollte mein Kind den Kopf untertauchen?
Es gibt keine feste Altersgrenze. Die Wassergewöhnung beginnt idealerweise schon im Kleinkindalter spielerisch, etwa in der Badewanne. Entscheidend ist, dass das Kind Spaß hat und nicht gedrängt wird.
Wie lange dauert es, bis mein Kind untertaucht?
Das ist sehr unterschiedlich: manche Kinder tauchen nach wenigen Minuten, andere brauchen mehrere Wochen. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Länge – lieber kurz und oft üben.
Soll ich mein Kind einfach einmal untertauchen, damit es merkt, dass nichts passiert?
Nein. Ungewolltes Untertauchen kann Angst auslösen und das Vertrauen zerstören. Besser sind kleine Schritte, die das Kind selbst bestimmt.
Hilft eine Schwimmbrille?
Ja, oft sehr. Sie schützt die Augen, nimmt Druck von der Nase und macht neugierig. Später kann man das Kind schrittweise wieder an das Tauchen ohne Brille gewöhnen.
Mein Kind hat große Wasserangst – was tun?
Beginnen Sie zu Hause, sprechen Sie mit dem Kind, üben Sie kurz und regelmäßig und holen Sie sich bei starker Angst Unterstützung bei einer Schwimmlehrerin oder einem Schwimmlehrer mit Erfahrung in Einzelunterricht.
Quellen
- DSV-Jugend (Deutscher Schwimm-Verband): Wassergewöhnung – Spiele und Übungen (PDF)
- Apotheken Umschau: Schwimmen lernen: Übungen für Kleinkinder (mit Hinweisen von Schwimmlehrern und der DLRG)
- DLRG / epd: DLRG empfiehlt Wassergewöhnung zu Hause in der Badewanne (13.07.2023)
- American Academy of Pediatrics: AAP releases updated drowning prevention recommendations (18.05.2026)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.

