
„Mit nassen Haaren raus in die Kälte – da wird mein Kind doch krank!“ Diesen Satz hören wir im Herbst und Winter in Graz oft. Was ist dran? Dieser Ratgeber erklärt, was Krankenkassen, Studien und die US-Gesundheitsbehörde CDC dazu sagen, und wie Ihr Kind nach dem Schwimmen warm und gesund nach Hause kommt.
- Erkältungen machen Viren, nicht das Wasser: Es gibt über 200 Erkältungserreger, am häufigsten Rhinoviren (Barmer). Ohne Viren keine Erkältung.
- Auskühlen kann trotzdem eine Rolle spielen: Kühlt der Körper ab, wird die Nasenschleimhaut schlechter durchblutet und Viren, die schon da sind, haben es leichter. Gut abtrocknen und warm anziehen lohnt sich also.
- Ohren trocknen: Wasser im Gehörgang kann eine Gehörgangsentzündung („Schwimmerohr“) begünstigen. Kopf schräg halten, Ohren mit dem Handtuch trocknen, keine Wattestäbchen (CDC).
- Krank ins Wasser? Mit leichtem Schnupfen ohne Fieber ist Bewegung meist in Ordnung, mit Fieber oder Durchfall nicht (TK, CDC).
Woher kommt eine Erkältung wirklich?
Eine Erkältung ist eine Infektion. Laut Barmer kennt die Wissenschaft über 200 Erkältungserreger, Rhinoviren verursachen etwa die Hälfte der Infekte der oberen Atemwege. Die Viren werden über Tröpfchen in der Luft übertragen oder über Hände, die vorher Türgriffe oder andere Oberflächen berührt haben.
Das heißt: Nasse Haare allein stecken niemanden an. Dass Kinder im Winter häufiger erkältet sind, hat viel damit zu tun, dass wir mehr Zeit in Innenräumen und näher beieinander verbringen – in Kindergarten, Schule und Öffis.
Können nasse Haare und Kälte trotzdem schaden?
Ganz harmlos ist Auskühlen nicht. Wenn nasses Haar trocknet, entzieht die Verdunstung dem Kopf Wärme. Laut Barmer ziehen sich dann Blutgefäße zusammen, und die Schleimhaut in Nase und Rachen wird schlechter durchblutet. Dort kommen weniger Abwehrzellen an, und Viren, die schon im Körper sind, können sich leichter vermehren.
Zwei Studien werden dazu oft genannt:
- Kalte Füße (Cardiff, 2005): 180 gesunde Erwachsene saßen 20 Minuten lang mit den Füßen entweder in kaltem Wasser oder in einer leeren Schüssel. In den 4 bis 5 Tagen danach meldeten 13 von 90 Personen der Kältegruppe Erkältungssymptome, in der Vergleichsgruppe 5 von 90 (Johnson & Eccles, Family Practice).
- Kühle Nase (Yale, 2015): In Versuchen mit Atemwegszellen von Mäusen war die angeborene Immunabwehr bei 33 °C schwächer als bei 37 °C, und Rhinoviren vermehrten sich leichter (Iwasaki, berichtet im Deutschen Ärzteblatt).
Die ehrliche Einordnung: Die Fuß-Studie war klein, und die Forschenden schreiben selbst, dass weitere Studien nötig sind. Die Yale-Ergebnisse stammen aus Zellversuchen mit Mäusen, ob sie genauso für Menschen gelten, ist offen. Beides spricht nicht gegen Schwimmen im Winter, sondern dafür, nach dem Schwimmen nicht auszukühlen.
So kommt Ihr Kind warm nach Hause: die Checkliste
- Warm duschen und gründlich abtrocknen – auch zwischen den Zehen und hinter den Ohren.
- Haare föhnen: Vor allem bei langen Haaren lohnen sich ein paar Minuten unter dem Föhn, bevor es nach draußen geht.
- Mütze nicht vergessen: Der Kopf ist nach dem Schwimmen oft noch feucht. Eine Mütze hält die Wärme.
- Warme Füße: Trockene Socken und warme Schuhe einpacken – siehe die Fuß-Studie oben.
- Nicht gleich hinaus: Ein paar Minuten im Foyer ankommen lassen, bis das Kind nicht mehr friert.
- Ohren trocknen: Kopf zur Seite neigen, damit das Wasser herausläuft, und das Ohr mit dem Handtuch abtupfen (CDC).
- Hände waschen: Die einfachste Maßnahme gegen Erkältungsviren, gerade in der kalten Jahreszeit (Barmer).
Wasser in den Ohren: was hilft gegen das „Schwimmerohr“?
Bleibt Wasser länger im Gehörgang, können sich Keime vermehren. Die CDC empfiehlt:
- Badekappe, Ohrstöpsel oder angepasste Schwimm-Ohrstöpsel verwenden.
- Nach dem Schwimmen den Kopf zur Seite neigen, damit das Wasser abläuft, und das Ohrläppchen sanft in verschiedene Richtungen ziehen.
- Die Ohren mit dem Handtuch trocknen. Bleibt Wasser im Ohr, kann ein Föhn auf kleinster Stufe mit einigen Zentimetern Abstand helfen.
- Keine Wattestäbchen oder andere Gegenstände in den Gehörgang stecken und Ohrenschmalz nicht entfernen – es schützt das Ohr.
Typische Anzeichen einer Gehörgangsentzündung sind Schmerzen beim Ziehen am Ohr oder Drücken auf den kleinen Knorpel vor dem Gehörgang, Juckreiz, Ausfluss, Rötung und Schwellung. Die Entzündung ist laut CDC nicht ansteckend. Bei diesen Anzeichen ist die Kinderarztpraxis die richtige Adresse.
Schwimmen mit Schnupfen? Die „Hals-Regel“
Die Techniker Krankenkasse nennt eine einfache Faustregel für Sport bei Erkältung: Sind die Beschwerden nur oberhalb des Halses, etwa ein Schnupfen, ist Bewegung meist in Ordnung – kürzer und lockerer als sonst. Bei Beschwerden unterhalb des Halses, zum Beispiel Fieber, gilt: kein Sport.
- Bei Fieber, Gliederschmerzen, Erschöpfung oder Atembeschwerden: Pause. Nach einem Infekt mit Fieber empfiehlt die TK, auch nach dem Abklingen noch ein bis zwei Wochen zu pausieren.
- Bei Durchfall: nicht ins Becken (CDC). So schützen Sie auch die anderen Badegäste.
- Im Zweifel: lieber einmal aussetzen und bei Unsicherheit die Kinderärztin oder den Kinderarzt fragen.
Die CDC rät außerdem, vor dem Schwimmen eine Minute zu duschen und mit kleinen Kindern etwa jede Stunde eine WC-Pause einzulegen.
Warum der Winter trotzdem eine gute Schwimmzeit ist
Im Hallenbad ist das Wetter egal, und der Winter ist lang. Wer jetzt regelmäßig übt, startet mit mehr Sicherheit in die Badesaison im Sommer. Wie ein fester Schwimmrhythmus Kindern hilft, lesen Sie in unserem Artikel Schwimmen als Routine: Gesundheit und Tipps für Eltern.
So machen wir es im Unterricht in Graz
Hier endet die Studienlage und beginnt die Praxis:
- Kurze Einheiten für die Kleinen: Kinder unter 7 Jahren schwimmen bei uns 30 Minuten. Kleine Körper verlieren im Wasser schneller Wärme, kürzere Einheiten helfen gegen Auskühlen.
- Immer in Bewegung: Im Privatunterricht 1:1 oder 1:2 gibt es keine Wartezeit am Beckenrand, in der Kinder frieren.
- Krank? Kein Problem: Mit dem Premium Flex-Pass verschieben Sie einen Termin bis 24 Stunden vorher kostenlos, keine Einheit geht verloren. Bei festen Kursen können Sie bei der Buchung den Krankheitsschutz wählen und bekommen dann einen Nachholtermin.
Gerade im Winter ist der Premium Flex-Pass beliebt: Termine dienstags, samstags und sonntags selbst wählen und flexibel bleiben, wenn ein Schnupfen dazwischenkommt. Alle Kurse für Kinder finden Sie auf der Seite Schwimmkurse für Kinder in Graz.
Häufige Fragen
Bekommt mein Kind vom Schwimmen im Winter eine Erkältung?
Nicht vom Wasser selbst: Erkältungen werden von Viren ausgelöst. Auskühlen nach dem Schwimmen kann es Viren aber leichter machen. Gut abtrocknen, Haare föhnen und warm anziehen ist deshalb sinnvoll.
Muss ich meinem Kind nach dem Schwimmen die Haare föhnen?
Empfehlenswert, vor allem bei langen Haaren und kalten Temperaturen. Wenn das Haar draußen trocknet, entzieht die Verdunstung dem Kopf Wärme. Eine Mütze hilft zusätzlich.
Darf mein Kind mit Schnupfen schwimmen?
Bei leichtem Schnupfen ohne Fieber ist Bewegung meist in Ordnung (Hals-Regel der TK). Bei Fieber, Gliederschmerzen, Erschöpfung oder Durchfall bleibt Ihr Kind besser zu Hause. Im Zweifel fragen Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.
Wie verhindere ich Wasser in den Ohren?
Badekappe oder Ohrstöpsel helfen. Nach dem Schwimmen den Kopf zur Seite neigen, das Ohr mit dem Handtuch trocknen und keine Wattestäbchen verwenden (CDC).
Quellen
- Barmer: Nasse Haare – wie groß ist die Erkältungsgefahr? (aktualisiert 02.03.2026, medizinisch geprüft)
- Johnson C, Eccles R: Acute cooling of the feet and the onset of common cold symptoms. Family Practice 22(6), 608–613 (2005)
- Deutsches Ärzteblatt: Warum Rhinoviren kalte Nasen bevorzugen (08.01.2015, zur Studie von Akiko Iwasaki, Yale)
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Preventing Swimmer’s Ear (28.05.2025)
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Preventing Swimming-related Illnesses (06.06.2025)
- Techniker Krankenkasse (TK): Sport bei Erkältung: ja oder nein? (08.04.2025)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.


